[Kolumne] Haben Videospiele ein Sexismus-Problem?

[Kolumne] Haben Videospiele ein Sexismus-Problem?

Microsoft's GDC-Party, Dead or Alive Xtreme 3 oder die Zensur der westlichen Version von Star Ocean 5... Haben Videospiele ein Sexismus-Problem?

[Kolumne] Haben Videospiele ein Sexismus-Problem?

Es ist dieses klischeebehaftete, beinahe schon stereotype Bild der Frau, das immer wieder in Videospielen vorkommt: die Frau, das schwache Wesen, muss vom strahlenden Helden – natürlich männlich – gerettet werden. Doch nicht nur dieses typische Feindbild einer jeden Feministin sorgt immer wieder für Ärger, auch müssen – allen voran japanische – Spiele für den westlichen Markt angepasst und die freizügigen Damen mit mehr Stoff versehen werden. Unlängst ist dies ja erst wieder für die westliche Version von Star Ocean 5: Integrity and Faithlessness bestätigt worden. ich stelle mir daher wirklich ernsthaft die Frage: Haben Videospiele ein Sexismus-Problem? Sicherlich kann man die Frage weder mit einem klaren Ja, noch mit einem klaren Nein beantworten. Vielmehr liegt die Wahrheit – wie so oft – in der Mitte. Auch wenn die Sicht eines Mannes auf dieses Thema sicherlich als subjektiv erachtet werden darf, möchte ich in dieser Kolumne doch meine Meinung kundtun.

Star Ocean 5 Integrity and Faithlessness (20)

Nehmen wir das Beispiel der – freundlich ausgedrückt – Anpassungen für den westlichen Markt (manch anderer würde von Zensur sprechen). So hat es im letzten Jahr unter anderem Xenoblade Chronicles X erwischt und in diesem Jahr auch Star Ocean 5: Integrity and Faithlessness. In beiden Spielen muss mindestens eine Protagonistin mit mehr Stoff versehen werden. Ein zweischneidiges Schwert. Einerseits ist die japnische Kultur nunmal eine andere als die uns ganz eigene westliche Kultur – die sich von Region zu Region sicherlich auch nochmals unterschiedet – und stellt damit einen Einschnitt in die Grundidee des Spiels dar. Andererseits handelt es sich bei den für den Westen angezogeneren Damen meist um minderjährige Charaktere, die auch in einem Videospiel ein größeres Schutzbedürfnis haben. Man kann es so oder so sehen… Letztenendes passen die Entwickler ihre Charaktere lieber an, da der Aufschrei im Westen von den Wenigen, die sich wirklich daran stören, doch zu groß wäre und die Anpassung mit relativ wenig Arbeit verbunden ist.

deadoralive3x-14

Einen anderen Weg gehen die Entwickler von Dead or Alive Xtreme 3, das in diesen Tagen ausschließlich im asiatischen Raum erschienen ist. Eine Anpassung der nur mit Bikinis bekleideten, vollbusigen Strandschönheiten würde hier auch sicherlich das eigentliche Spielprinzip zerstören. Man könnte es schon beinahe als erbärmlich bezeichnen, dass es Männer nötig haben ein solches Spiel zu spielen – Moment, dann bin ich ja erbärmlich. Und ja verdammt, ich stehe dazu! Es ist ja nicht so, dass ich mit dem Controller da sitze, die Dame sich auf ab und ab bewegen lasse und… na ihr wisst schon. Ein solches klischeebehaftetes und vollkommen überzogenes Spiel darf einfach auch mal sein. Das Frauenbild das darin gezeichnet wird ist dermaßen unnahbar, unrealistisch und stilistisch überspitzt, dass man es doch gar nicht ernst nehmen kann. Auch nicht als Frau als Konkurrenz ansehen kann. Genauso gut könnte man auch jede Frau verachten, die bei einer Vorführung der Chippendales zugegen war. Lasset jedem das Seine und regt euch nicht immer über alles auf. Interessant ist nämlich, dass Dead or Alive Xtreme 3 bei einem bekannten Import-Händler sämtliche Verkaufsrekorde gebrochen hat.

Quelle: http://www.polygon.com/2016/3/18/11265492/microsoft-xbox-sexist-gdc-party-apology

Quelle: http://www.polygon.com/2016/3/18/11265492/microsoft-xbox-sexist-gdc-party-apology

Was allerdings nicht geht und auch bei mir nur Kopfschütteln hervorgerufen hat, waren die Bilder der GDC-Party von Microsoft, auf der Tänzerinnen in aufreizender Montur an der Stange tanzten. Danke Microsoft, das war Öl in das Feuer aller Feministinnen! Zu Recht waren vor allem die in der Branche leider noch zu wenigen weiblichen Entwickler empört über dieses Stangengetanze. Sexistischer und vor allem klischeehafter konnte man eine Party in der von Männern dominierten Videogames-Branche kaum inszenieren. Microsoft hat sich zwar mittlerweile entschuldigt, die Welle ab Empörung ist wieder abgeflacht, aber dennoch werden solche Aussetzer für die nächsten Jahre im Gedächtnis Vieler bleiben.

lara croft

Und dabei hat doch mittlerweile bereits ein Wandel stattgefunden. Nehmen wir zum Beispiel die neue Lara Croft. Weg vom Busenwunder, das seine Reize gekonnt in Szene setzte, hin zur toughen und glaubwürdigen Abenteurerin. Zu ihr gesellen sich noch weitere starke Videospielheldinnen, wie etwa Aloy aus dem kommenden Horizon: Zero Dawn, Faith aus Mirror’s Edge oder Jade aus Beyond Good & Evil. Hinzu gesellen sich dann auch noch immer mehr bekannte weibliche Entwickler oder Autorinnen, wie etwa Jade Raymond oder Amy Henning, ohne die es solch bekannte Serien wie Assassin’s Creed oder Uncharted vielleicht – zumindest in dieser Form – nie gegeben hätte. Auch wenn die Branche noch immer stark von Männern dominiert wird, weicht auch dieses Klischee langsam aber sicher auf – zum Glück.

jade-raymond

Letzen Endes seht ihr schon worauf ich hinaus möchte in meiner Kolumne. Man darf nicht immer alles schwarz und weiß sehen. Videospiele oder die Videospielbranche hat in einigen Fällen sicherlich ein Sexismus-Problem. Und manche Änderungen an Spielen die kulturell begründet werden, muss man zwar nicht unbedingt mögen, aber sie sind ein kleines Übel, um nicht noch mehr Öl in’s Feuer zu gießen. Andererseits sind Spiele, die eine exzessive weibliche Darstellung verkörpern wie etwa DOAX3 nicht das Böse schlechthin und direkt aus der Hölle entsprungen. Nein, sie sind das was sie sind: Spiele, mit einem überzeichneten Frauenbild. Möge hier diejenige den Stein werfen, der bei einem muskelbepackten Kerl nicht das Wasser im Mund zusammenläuft und sämtliche Hormone verrücktspielen. Insgesamt wird das Thema zu hoch gekocht, aber auch immer wieder Eigentore geschossen, die das Thema erst wieder hochkochen lassen.

Was die Videospiel-Branche als solches betrifft, lasst uns alle gemeinsam hoffen, dass noch mehr solch kreative, weibliche Köpfe wie etwa Amy Henning oder Jade Raymond in den nächsten Jahren den Weg in die Industrie finden. Doch nicht nur der Seite der Entwickler und Publisher, auch die Seite der Videospieljournalisten könnte einen noch deutlich weiblicheren Touch verkraften. Und was soll ich sagen, ich bin stolz, dass in unserer Redaktion der Frauenanteil besonders hoch ist! Lasst uns einfach alle gemeinsam das genießen, was wir alle – egal ob Männlein oder Weiblein – so lieben: Videospiele!

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